Studie

Vertrauen und Sicherheit in der digitalen Welt. Bitkom wirft Schlaglichter auf Risiken und Chancen der IT-Sicherheit

Der Branchenverband Bitkom belegt in seiner neuen Studie durch Zahlen und Fakten, wie dringlich wir in die Sicherheit unserer digitalen Infrastrukturen investieren müssen.

Während allerdings die Angst vor Cyberangriffen steigt, wird auch das Bewusstsein für die Relevanz von IT-Sicherheit gestärkt: Immer mehr Menschen achten auf Passwortsicherheit und wünschen sich Anlaufstellen für Weiterbildung und Information.

Rekordschäden in Höhe von 223 Milliarden Euro

Die deutsche Wirtschaft musste 2020/2021 durch Cyberangriffe Rekordschäden verbuchen. Neun von zehn Unternehmen (88%) sind betroffen. Die Schadenssumme liegt schätzungsweise bei 223 Milliarden Euro. Dies zeigt die neue Studie des Branchenverbands Bitkom (Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V.)

 

Angriffe nehmen deutlich zu

Besonders digitale Erpressungsvorfälle haben im Untersuchungszeitraum 2020/2021 zugenommen. Viele Unternehmen (18%) wurden mit sogenannter Ransomware angegriffen, mit der die IT-Systeme verschlüsselt und sämtliche Betriebsabläufe unterbrochen werden. Für die Freigabe der Daten bei einer Ransomwareattacke wird in der Regel ein Lösegeld verlangt.

Zudem haben 31% der befragten Unternehmen angegeben, dass eine Schadsoftware im Untersuchungszeitraum 2020/2021 Schäden bei ihnen verursacht hat. Hinzu kommen auch immer häufiger sogenannte DDoS Attacken, bei denen Service-Systeme durch massenhafte Anfragen mutwilllig überlastet werden. Oft werden auch falsche Identitäten vorgetäuscht (Spoofing) oder persönliche Daten abgefangen (Phishing). Im Fokus der Angreifer stehen dabei das geistige Eigentum und Kommunikationsdaten.

 

Organisierte Kriminalität auf dem Vormarsch

Eine neue, sich verstärkende Tendenz ist der Zuwachs an organisierter Kriminalität in der digitalen Welt. Bereits jetzt gehen 29% der Angriffe von Banden aus, 40% gehen auf Privatpersonen oder Hobby-Hacker zurück.

Das größte Einfallstor in Unternehmen sind mit 42% nach wie vor (ehem.) Mitarbeitende, die es Angreifenden durch unabsichtliche Handlungen besonders leicht machen. Auch das Risiko vorsätzlicher Angriffe durch (ehem.) Mitarbeitende ist nicht zu unterschätzen und liegt derzeit immer noch bei ca. 28%.

 

Awareness steigt

Diese Zahlen belegen, wie wichtig ein Management für die Informationssicherheit (ISMS) in Unternehmen ist. Wer Regeln und Verfahren in Sachen IT-Sicherheit aufstellt, kann diese und andere Gefahren deutlich reduzieren.

Die Studie zeigt auch, dass das Bewusstsein hierfür in Unternehmen und bei Privatpersonen steigt – 56% der Befragten würden sich gerne weiterbilden, um sich im Internet besser schützen zu können. Maßnahmen wie Passwortsicherheit finden indes schon jetzt mehr Beachtung. Rund 73% der Befragten achten bei der Erstellung neuer Passwörter auf einen Mix aus Buchstaben, Zahlen und Sonderzeichen. Das sind 10% mehr als noch 2019.

"Mut macht, dass das Vertrauen der Internetnutzenden in die Datensicherheit im Internet im Jahr 2020 einen neuen Höchststand erreicht hat und dass die Passwort-Sicherheit mehr Beachtung findet. Darauf gilt es in den kommenden Jahren aufzubauen und gemeinsam an einem Strang zu ziehen", so Sebastian Artz im Vorwort der Studie.

 

Kostenlose Anlaufstellen

43% der Befragten wissen zudem nicht, an wen sie sich wenden können, um sich über Schutzmaßnahmen gegen Internetkriminalität zu informieren. Auch wenn einige Unternehmen ihre Investitionen in digitale Sicherheitsmaßnahmen bereits erhöhen, wird die praktische Implementierung des Grundschutzes weiterhin durch das Fehlen von Fachkräften und von zur Verfügung stehenden Ressourcen gerade in kleinen und mittleren Unternehmen erschwert. 

Kleine und mittlere Unternehmen in Nordrhein-Westfalen können sich für kostenlose Fortbildungen und Erstberatungen an DIGITAL.SICHER.NRW wenden. Für Bürgerinnen und Bürger empfehlen wir die Angebote von Deutschland sicher im Netz (DsiN) und die Seite für Digitalen Verbraucherschutz des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).

Aufgrund des rasanten Anstiegs von Angriffen fordert Bitkom bei der Stärkung des Wirtschaftsschutzes und dem Aufbau von Cyber-Resilienz in Zukunft auch ein stärkeres Engagement der kommenden Bundesregierung in Sachen digitaler Sicherheit.

 

Weiterführende Informationen

Ein Interview mit dem Bitkom-Präsidenten Achim Berg finden Sie auf tagesschau.de.

Die Bitkom-Studie finden Sie hier.

 

Quelle: Bitkom-Studie "Vertrauen und Sicherheit in der digitalen Welt". Berlin, Juli 2021.

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